Month: June 2015

Mutti kann auch mal böse sein

Endlich kann man sich an Angela Merkel reiben. Ihre Ablehnung zur Homo-Ehe bietet endlich wieder Stoff für gesellschaftspolitische Diskussionen. “Muttis” Wohlfühlpolitik hat jahrelang so ziemlich alles erstickt, wofür man die CDU – zu recht – unsympathisch fand. Was ihr einstiger Förderer und langjähriger Vorgänger im Amt noch als kollektiven Freizeitpark verspottet hat, ist wahr geworden. Die Bundesrepublik anno 2015 ist Merkelland. Kaum ein Bundeskanzler hat die Republik so tiefgreifend und dabei geräuschlos umgekrempelt wie Angela Merkel, die ihrer Partei dabei eine Menge zugemutet hat: Abschaffung der Wehrpflicht, Atomausstieg, Frauenquote und jetzt sogar der Mindestlohn. Wie keine zweite schafft sie es, Themen anderer zu ihren eigenen zu machen. Dass sie sich nicht an die Spitze der Homo-Ehe-Vorkämpfer setzt, kann man zwar bedauern, man kann es auch als Versuch sehen, einen letzten konservativen Joker in der Hand zu behalten. Würde die CDU auch noch ihr klassisch-konservatives Familienbild ablegen, wäre sie wohl endgültig im sozialdemokratisierten Einerlei des deutschen Parteiensystems angekommen. Wie es sich anfühlt, von rechts angeknabbert zu werden, hat die CDU in jüngster Zeit bei vielen Landtagswahlen erlebt, wo die AfD vor allem in Ostdeutschland zweistellige Ergebnisse einfuhr. Nun mag sich die AfD zwar gerade selbst zerlegen, doch ihr Erfolg wird Angela Merkel eine Warnung sein. Die CDU war nie eine Partei, die sich für die LGBT-Rechte stark gemacht hat. Dass sich viele aus der Community nun darüber beklagen, ist wohl eher die Enttäuschung über zurückgewiesene Liebe. So wie bei einer Mutter, die ihren Kleinen eine Menge durchgehen lässt, aber dann plötzlich böse wird. Kinder brauchen solche Erfahrungen, um sich erfolgreich abnabeln zu können.

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