Author: Domenico Sciurti

Als Freier Journalist schreibe ich über Aktuelles und Zeitloses – dabei möchte ich noch nicht festlegen, für welche Ressorts. Derzeit bin ich in New York City auf der Suche nach aufregenden Menschen und ihren Geschichten. Zu mir: Mein Reisepass bezeichnet mich als Italiener. Wenn ich im Urlaub bin, sagen die Italiener immer: “Der Deutsche ist da.” Ich selbst positioniere mich irgendwo dazwischen. An der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt habe ich im Hauptfach Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie studiert, meine Nebenfächer waren Musikwissenschaft und Psychoanalyse. Nach dem Studium zog es mich erst einmal in das Land meiner Wurzeln. Ich lebte ein Jahr lang in Mailand und verdiente meine Brötchen als Lehrer für Deutsche Sprache. Zurück in Deutschland absolvierte ich ein zweijähriges Tageszeitungsvolontariat, anschließend sammelte ich Arbeitserfahrungen während eines sechsmonatigen PR-Praktikums bei einem Deutschen Unternehmen in New York. Am Journalismus jedoch hängt mein Herz. Deshalb entschied ich mich, nach dem Praktikum als Freiberufler zu arbeiten. In Zeiten rückläufiger Print-Leserschaft ist es die Aufgabe des Neuzeitjournalismus, qualitative Inhalte in digitalisierter Verkleidung an die Leser zu bringen. Das ist mein Konzept: bewährtes Handwerk in moderner Form – Auswahl aktueller und relevanter Themen, gründliche und um fassende Recherche, Interviews, Fotos sowie Videos und journalistisch aufbereitete Texte – stilsicher, wortgewandt und unter Einhaltung des Pressekodex des Deutschen Presserates. Das Internet und Social Media mit den zahlreichen Darstellungsformen dienen mir dabei als Plattform der Veröffentlichung.

Aufatmen ist nicht: LGBTI-Rechte in Europa eher Durchschnitt

Der Frankfurter Engel erinnert an die Homosexuellenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Image: Domenico Sciurti

Der Frankfurter Engel erinnert an die Homosexuellenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Image: Domenico Sciurti

Es sind Zahlen, die Sorgen bereiten. Homosexuell zu sein ist in 77 Ländern illegal. 2,7 Milliarden Menschen sind gezwungen, heterosexuell zu leben, ungeachtet dessen, was in ihrer Natur liegt. In mindestens fünf Ländern kann es sogar die Todesstrafe geben, sollte man dabei erwischt werden, das gleiche Geschlecht zu lieben. Die Rechte von Homo- und Bisexuellen wie auch Transgendern sind im Jahre 2014 alles andere als selbstverständlich: In KEINEM Land dieser Erde werden Homosexuellen die gleichen Rechte zugesprochen wie Heterosexuellen. Der Guardian hat eine interaktive Graphik erstellt, die die Ergebnisse einer Studie der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Assoziation (Ilga), dem Dachverband von LGBTI-Organisationen weltweit, aufzeigt.

Die Studie beurteilt die Qualität der rechtlichen Situation in den einzelnen Ländern anhand von fünf Kategorien: Wo ist einvernehmlicher Sex von Menschen gleichen Geschlechts erlaubt? Wo gibt es gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz? Haben gleichgeschlechtliche Paare das Recht zu heiraten? Dürfen diese Paare Kinder adoptieren? Sind LGBTI-Menschen bei Übergriffen strafrechtlich geschützt?

Die Graphik zeigt: Während auf der einen Seite der Welt, die Recht der LGBTI zunehmen – beispielsweise in den USA, wo in den vergangenen Jahren immer mehr Staaten die Homo-Ehe einführten – hat sich die Situation an anderen Orten der Welt verschlechtert. In Uganda und Nigeria haben die Staatspräsidenten vor einigen Monaten erst verschärfte Gesetze gegen homosexuelle Menschen und deren Unterstützer unterschrieben. Zuvor noch hat in Russland das Gesetzt gegen homosexuelle Propaganda weltweit  für Aufsehen gesorgt. Die Menschen in diesen Ländern werden seitdem verstärkt unterdrückt, verfolgt, gefoltert. Auch Berichte über Morde wurden zumeist durch das Internet übermittelt.

Selbst in Europa gibt es keinen Grund, entspannt auf die Zustände zu blicken. Denn höchstens als besseren Durchschnitt kann dort die rechtliche Situation der LGBTI-Community beurteilt werden. Deutschland gehört mit drei von fünf erfüllten Kategorien – wobei es keine hundertprozentigen Rechte bei den Lebenspartnerschaften gibt – auch nur zum Durchschnitt im Durchschnitt. Elf Staaten,  das sind 22 Prozent der europäischen Länder, erfüllen drei von fünf Kategorien. Neben der Bundesrepublik stehen Länder wie Albanien, Slowakei und Rumänien. An der europäischen Spitze sind Belgien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich von England. Sie sichern den LGBTI-Menschen fünf von fünf gewerteten Rechten zu. Als positiv muss wohl bewertet werden, dass kein EU-Land Homosexualität als solches verurteilt und verbietet.

Detailliertere Informationen zu Europa bietet auch die Studie Europe Rainbow Package, die jährlich von der europäischen Abteilung des Ilga Dachverbandes durchgeführt und veröffentlicht wird. Bereits die Betitelung der diesjährigen Publikation spricht für sich: “Rainbow Europe 2014: Europe’s score on LGBTI human rights remains average.”Das Paket kommt in zwei Teilen: Die Map verschafft einen schnellen Überblick. Auch sie zeigt, dass Deutschland nur mittelmäßig abschneidet.

Die „Review“, die jährliche Besprechung, nimmt Institutionen wie die Vereinten Nationen, den Europarat und die Europäische Union unter die Lupe. Sie benennt zudem einzelne Vorkommnisse und Tendenzen in den 49 Ländern. Über Deutschland heißt es: „The winning coalition (CDU/CSU and SPD) did not include marriage equality in its programme of government, but announced it would tackle homophobia and transphobia as part of an existing national action plan.”

Das komplette PDF kann hier eingesehen werden.

Global gesehen bilden Afrika und Asien das Schlusslicht. Kaum überraschend, und doch nicht weniger traurig. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle müssen in 55 Prozent aller afrikanischer und in 51 Prozent aller asiatischen Länder ein Doppelleben führen. Dort werden ihnen nämlich gar keine Rechte zugesprochen. Besonders schlimm trifft es die Menschen im Iran, in Mauretanien, Saudi Arabien, im Sudan und im Yemen. Wer dort als Homosexueller ausgemacht wird, riskiert sein Leben.

In vielen Ländern leiden Menschen, weil sie nicht so lieben wie andere. Der Guardian berichtet, dass weitere Staaten die Rechte von LGBTI einschränken wollen. Länder, die bisher kaum Aufmerksamkeit durch Medien erhielten. Kirgistan erwägt ein Anti-Propaganda-Gesetz nach russischem Vorbild einzurichten. Brunei, ein kleiner Staat in Asien, möchte die Scharia als offizielle Rechtsprechung einführen; die Scharia bestraft Homosexualität.

Auch wenn in manchen Teilen der Welt positive Entwicklungen auszumachen sind, aufatmen ist nicht. Die Grafik zeigt dies eindeutig.

Kirche von England sagt Homophobie an Schulen den Kampf an

Es ist ein weiterer Schritt einer christlichen Institution in Richtung Zivilisation: Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und damit das geistliche Oberhaupt der Kirche von England, hat einen Leitfaden zur Bekämpfung von Homophobie an Schulen der Church of England herausgegeben. “Valuing All God’s Children” heißt das 72-Seiten lange Werk, das zu Beginn zunächst zehn Empfehlungen ausspricht, dann ins Detail geht und Begriffe wie Homophobie und homophobe Schikane für alle Betroffene deutet. Auch der derzeitige legale Rahmen wird erläutert und dabei die Homo-Ehe aufgegriffen. Als Beweggrund für die Erschaffung der Richtlinien benennt der Erzbischof die fürchterlichen Auswirkungen homophober Diskriminierung auf Schüler.

“Less than a year ago I set out my concerns about the terrible impact of homophobic bullying on the lives of young people and I made a public commitment to support our schools in eradicating homophobic stereotyping and bullying.

Dass der neuzeitliche Tatendrang des Kirchenmannes allerdings nicht ganz selbstlos ist, zeigt sich bereits im Vorwort der Publikation. Nach dem Motto: Bevor wir selbst zum Hassobjekt für alle werden, passen wir uns lieber der Meinung aller an, verdeutlicht Welby, dass auch wenn die Kirche ihre Lehren über homosexuelle Beziehungen nicht ändere, müsse man doch akzeptieren, dass in dem Bereich eine Revolution stattfindet. Der Großteil der Bevölkerung verabscheue homophobes Verhalten und alles, was danach aussieht und manchmal, so der Geistliche weiter, “schauen sie auf uns und sehen, was sie nicht mögen”.

Ob politischer Schachzug oder christliche Nächstenliebe, die Bemühungen kommen den Schülern zugute. Wie auch die Publikation verdeutlicht, ist es die Aufgabe von allen Lehrinstitutionen, die Einzigartigkeit jedes Kindes zu schätzen und individuelles Potential zu fördern. Das Papier verurteilt jegliche Form homophober Diskriminierung und stellt klar, dass selbst die Bezugnahme auf christliche Lehren oder die Bibel ein solches Verhalten nicht rechtfertigt.

Hier die zehn Empfehlungen:

  1. Schools should ensure that their Christian ethos statement emphasises an inclusivity that welcomes all, and reveres and respects all members of the diverse community as individuals who are known and loved by God.
  2. All school staff should be trained to recognise and understand how to challenge all types of bullying including homophobic language and behaviour. They should also be trained to offer pastoral support in the context of the issues surrounding sexual identity and homophobic bullying.
  3. Schools should ensure that their behaviour policies include clear expectations that homophobic behaviour and language will not be tolerated and that there can be no justification for this negative behaviour based on the Christian faith or the Bible.
  4. In Collective Worship, themes and values that play a part in challenging bullying in all forms should be explored.
  5. Opportunities should be offered for pupils to explore why some people seek to bully and that bullying can take the form of homophobic bullying. Strategies of how to protect yourself and others from bullying should be taught and pupils should be confident that if they report bullying it will be taken seriously.
  6. Systems for monitoring and analysing incidents of bullying should include homophobic bullying as a category and the school should regularly review the effectiveness of its curriculum, strategies and ethos in this regard.
  7. Governors should take responsibility for monitoring and evaluating the effectiveness of anti-bullying strategies and ensure that regular reports about bullying and wellbeing are part of the cycle of governors’ meetings. On all governing bodies there will be a nominated lead governor on safety and behaviour which will include bullying.
  8. Within the secondary phase sexual orientation is included as an aspect of Sex and Relationships Education, ensuring that the official Church of England view is taught clearly alongside other viewpoints held by Anglicans, other Christians, and different faith perspectives and world-views.
  9. Anti-bullying procedures and outcomes should be included as a performance indicator of a Church school that is distinctive and effective and included in the SIAMS framework for inspection.
  10. Diocesan Boards of Education and Diocesan Multi-Academy Trusts should monitor incidents of bullying in their schools and develop systems to monitor schools’ strategies for inclusion and bullying, supporting effective implementation.

Das Beispiel vom Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg zeigt, dass allein das Vorhaben zu mehr sexueller Aufklärung in Deutschland für Aufregung sorgt. Während hierzulande mehrere Tausende Menschen auf die Straße gehen, um den Vorschlag der Grünen zu verhindern, machen die Engländer vor, was Zivilisation im Jahre 2014 wirklich bedeutet. Kürzlich erst berichteten wir über die englische LGBT-Organisation Stonewall, die ihren Aufklärungsfilm “Free” an alle Schulen des Landes verteilte. “Free” möchte ebenfalls Diskriminierung in Bildungseinrichtungen verhindern. Vier Jahre lang haben die Macher dafür mit Schulen, Schülern und Lehrern zusammengearbeitet.

Das vor ein paar Tagen veröffentlichte Werk der englischen Kirche macht zwar deutlich, dass es in keinster Weise als Beitrag zu einem Lehrplan verstanden werden möchte. Doch anders als in Deutschland bemühen sich in England Gruppen aus den unterschiedlichen Lagern um das, worum es eigentlich jeden allen sollte: Das Wohl jedes einzelnen Schülers – ohne Ausnahme.

Wenn es um fortschrittliches Denken sowie Toleranz und Akzeptanz von Homosexualität geht, stehen die Engländer im europäischen Vergleich ganz vorn. Das zeigt eine Anfang Mai veröffentlichte Studie der Organisation IGLA-Europe. In der Rainbow Europe Map stellt ein aus mehreren Faktoren zustande kommender Index jährlich die Situation von LGBT-Rechten in 49 Ländern dar. England führt mit dem höchsten Wert für Gleichberechtigung die Liste seit drei Jahren an. Die komplette Studie ist hier einsehbar. Sajid Javid, der englische Minister für Gleichberechtigung, kommentierte die Spitzenposition mit den Worten: “Ich bin erfreut, dass unsere Bemühungen, die Menschen vor Diskriminierung aufgrund ihrer Sexualität zu schützen, anerkannt wird.”

U. S. Post verewigt Harvey Milk in Forever Briefmarke

Das Bild für die Briefmarke von Harvey Milk wurde um das Jahr 1977 vor dem Kamera-Geschäft des Politikers in San Francisco aufgenommen. Image: The U.S. Postal Service®

 

Der U. S. Postal Service bringt eine Forever Briefmarke zu Ehren des Gay-Right-Aktivisten Harvey Milk heraus. Damit honoriert der Postdienst einen der ersten amerikanischen Politiker, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannten. Die Briefmarke erscheint – mehr als 35 Jahre nach Milks Ermordung – zu seinem Geburtstag am 22. Mai.

Milk ist in Europa vor allem seit Gus Van Sants gleichnamigem Film mit Sean Penn aus dem Jahre 2008 bekannt. Der im Staate New York Geborene kämpfte für die Rechte von Schwulen und Lesben und kandidierte in San Francisco mehrere Male und ohne Erfolg für ein öffentliches Amt. Milk gab nie auf und sorgte Landesweit für Aufregung. Er erhielt viel Unterstützung von der Gay-Community in seinem Bezirk und verstand er es zudem, verschiedene Interessensgruppen für sich zu gewinnen. 1977 gelang ihm dann endlich der Durchbruch: Er wurde in den Stadtrat gewählt.

Das Ende kam jedoch abrupt. Nicht einmal ein Jahr nach seiner Wahl wurde zunächst der damalige Bürgermeister George Moscone und dann Harvey Milk vom kurz zuvor zurückgetretenen Stadtratsmitglied Dan White im Rathaus in San Francisco erschossen.

Heute ehrt der U. S. Postal Service Milk mit den Worten: “Seine Errungenschaften gaben homosexuellen Menschen Hoffnung und Selbstbewusstsein in einer Zeit, in der sich die Community weit verbreiteter Ablehnung entgegengesetzt sah.” Milk ist für viele Menschen zur Ikone geworden und gilt als Pionier des Gay-Rights-Movements. Präsident Barack Obama verlieh ihm post mortem die Freiheitsmedaille (Medal of Freedom).

Das für die Forever Briefmarke verwendete Bild von Harvey Milk stammt vom Fotograf Daniel Nicoletta, der den aufsteigenden Politiker um das Jahr 1977 vor Milks Fotogeschäft auf der Castro Street aufnahm. An der oberen Ecke sind die Farben der Schwulen-Flagge zu sehen. Wer in den USA lebt, der kann die Briefmarke vorbestellen. Forever Briefmarken sind First Class Marken, die ihren aktuellen Wert für den Versand eines normales Briefes nie verlieren – unabhängig von der zukünftigen Preisentwicklung. Selbst in vielen Jahren noch kann die Marke genutzt werden, um einen regulären Brief innerhalb des Landes zu verschicken.

Menschenrechtler fordern mehr Unterstützung von Barack Obama

Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben sich zusammengetan und einen Brief an US-Präsident Barack Obama geschickt. Darin weisen sie auf die neusten Entwicklungen vor allem in Uganda und Nigeria hin und benennen in 14 Punkte, die dazu verhelfen sollen, die Situation zu bessern. Diskriminierung und Gewalt gegen LGBT-Mitglieder haben in den beiden afrikanischen Ländern stark zugenommen, seitdem die Präsidenten Gesetze unterzeichneten, die Homosexuelle und deren Unterstützer zu Kriminellen machen. Der Brief wurde auf 76crimes.com veröffentlicht, ein Blog, das über die Missstände in 76 Ländern weltweit berichtet. Missstände, die ihren Ursprung in Anti-Gay-Gesetzen haben.

„Wir wollen nicht erreichen, dass die Werte eines Landes einem anderen aufgedrängt werden“, heißt es in dem Schreiben. Der Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisationen möchte jedoch die Gesellschaft in Nigeria, Uganda und anderenorts unterstützen und gegen Diskriminierung gegen jegliche Gruppen angehen, LGBT eingeschlossen.

Die Schreiber begrüßen die bisherigen Maßnahmen der US-Administration. In ihren Augen reichen diese jedoch nicht aus. Schnellstmöglich, so fordern sie, müssen weitere Schritte unternommen werden – um Leben zu schützen und diskriminierende Gesetze nichtig zu machen. Um die folgenden 14 Punkte zu besprechen, wollen sie sich mit hohen Beamten der Regierung zusammensetzen.

  1. Keine Finanzierung von Diskriminierung durch US-Steuern
  2. Neue Bedingungen beim Planungsprozess für den President’s Emergency Plan for AIDS Relief 2014 (PEPFAR) einbinden
  3. Überprüfung aller Finanzierungsabmachungen zwischen dem US-Staat und Institutionen sowie Personen aus Nigeria und Uganda, die diskriminierende Gesetze unterstützt haben
  4. Überprüfung von US-Investitionen in Nigeria und Uganda
  5. Zusammenarbeit mit “The Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria”
  6. Voller US-diplomatischer Einsatz zur Bekämpfung von diskriminierenden Gesetzen
  7. Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten für Politiker und andere bedeutende Persönlichkeiten aus Nigeria und Uganda
  8. Bemühungen, Sicherheitsbeteuerungen für LGBT-Personen in Nigeria und Uganda zu erhalten
  9. Botschaften anweisen, in Zusammenarbeit mit den Botschaften anderer Länder, die Situation vor Ort zu überwachen und Maßnahmen zu treffen, sollte es notwendig sein
  10. Schutz und Unterstützung von Menschen, die durch die Gesetzgebung bedroht ist
  11. Direkte finanzielle und andere Unterstützung derjenigen, die LGBTI-Individuen beschützen
  12. Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union, den Vereinigten Nationen sowie der Europäischen Union
  13. Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten der Vereinigten Nationen und Anfechtung von Ugandas Rolle für die Vergabe des Präsidentensitzes bei der bevorstehenden Generalversammlung der Vereinigten Nationen
  14. Aktive Unterstützung bei der Bekämpfung der diskriminierenden Gesetze

Die Original-Liste und weiterführende Erklärungen können hier eingesehen werden.

Folgende Organisationen beteiligten sich an dem Schreiben:

  • African Services Committee
  • AIDS Foundation of Chicago AIDS
  • United American Jewish World Service
  • American Medical Students Association
  • amfAR, The Foundation for AIDS Research
  • Association of Nurses in AIDS Care
  • AVAC
  • Center for Health and Gender Equity (CHANGE)
  • Center for Innovation in Global Health at Stanford University
  • Charlize Theron Africa Outreach Project
  • Council for Global Equality
  • Fenway Institute
  • Futures Group
  • Gilead
  • The Global Forum on MSM & HIV (MSMGF)
  • Health GAP (Global Access Project)
  • HIV Medicine Association
  • HIV Prevention Justice Alliance
  • Housing Works
  • Human Rights Campaign
  • Infectious Diseases Society of America
  • Center for Global Health Policy
  • International Association of Providers of AIDS Care
  • International HIV/AIDS Alliance
  • USA International Rectal Microbicide Advocates
  • Kato Foundation
  • The National Alliance of State and Territorial AIDS Directors
  • New HIV Vaccine and Microbicide Advocacy Society
  • Pangaea Global AIDS Foundation
  • Treatment Action Group (TAG)
  • Us Helping Us, People Into Living

Der Brief ging auch an: Derzeitiger US-Außenminister John Kerry, Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius, Botschafterin Samantha Power, Leiterin des Office of Public Engagement and Intergovernmental Affairs Valerie Jarrett, Berater Denis McDonough und Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice

Hintergrund:

In Nigeria ist Homosexualität seit der Zeit britischer Kolonialisierung verboten, doch wurden Menschen deswegen nur selten verfolgt und bestraft. Das neue, Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesetz geht weiter:  Verbot der Homo-Ehe und bis zu 14 Jahren Gefängnisstrafe für Homosexuelle und deren Unterstützer; selbst die Beteiligung bei Menschenrechtsorganisationen fällt darunter.

Auszug aus dem Gesetz in Nigeria (Quelle: http://www.theGuardian.com):

“Any person who registers, operates or participates in gay clubs, societies and organisations or directly or indirectly makes public show of same-sex amorous relationship in Nigeria commits an offence and shall each be liable on conviction to a term of 10 years in prison.”

Auch Ugandas Präsident Yoweri Museveni verschärfte mit seiner Unterschrift auf einem Gesetzesentwurf, der bereits 2009 entstand, die Lage von Schwulen und Lesben drastisch. Homosexualität war zwar auch vor der neusten Entwicklung verboten, nun müssen LGBT-Mitglieder jedoch lebenslange Gefängnisstrafen fürchten. Der ursprüngliche Gesetzesentwurf sah für einige homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe vor. Dies wurde jedoch geändert, nachdem Groß Britannien und andere europäischen Staaten drohten, ihre Hilfsmittel zurückzuziehen. Uganda erhält laut CNN mehrere Millionen Dollar an internationaler Unterstützung.

Anwältin aus Kamerun erhält Menschenrechtspreis

Alice Nkom ist Rechtsanwältin in Kamerun. In Berlin hat die 69-Jährige den siebten Menschenrechtspreis von Amnesty International verliehen bekommen. Nkom setzt sich in ihrem Land für die Rechte von Schulen, Lesben und Transgender ein.

“Solange das die Leute unter sich gemacht haben, nicht in der Öffentlichkeit, hat es niemanden gestört” wird Nkom von sueddeutsche.de über homosexuelles Verhalten in Kamerun zitiert. Was hierzulande zu Schnappatmungen führen würde, weil es ja impliziert, dass sich Schwule und Lesben verstecken und ein Leben in einer Parallelgesellschaft führen müssten, würde in dem westafrikanischen Land für Erleichterung bei den Betroffenen sorgen. Homosexualität wird in mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren verfolgt.

Das berühmteste Beispiel ist gleichzeitig auch Nkoms aufsehenerregendster Fall: Sie vertrat den Studenten Roger Mbede vor Gericht, weil der eine SMS an einem Mann schickte. „I’m very much in love with you“, hatte er darin geschrieben.  Mbede wurde von der Polizei aufgegriffen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach 16 Monaten durfte er das Gefängnis aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig verlassen. Nie mehr habe er ein normales Leben führen können, auch weil er die Kosten für seine medizinischen Behandlungen nicht mehr tragen konnte. Im Januar starb er an den Folgen von Hodenkrebs.

Ein weiterer Fall, der für Aufsehen sorgte, ist die Geschichte von Eric Ohena Lembembe – Journalist, Aktivist für die Rechte von LGBTI und Vorsitzender der Cameroonian Foundation for AIDS (CAMFAIDS). Die Schicksale der beiden Männer sind sogar verbunden: Lembembe hatte im Jahre 2012 einen Bericht über Roger Mbede verfasst, als der verurteilte Schwule aus seiner Haft entlassen wurde. Ein Jahr später, im 15. Juli 2013, musste Lembemde sterben, weil er schwul war und sich zudem für die Rechte von Homosexuellen einsetzte.

Freunde fanden den leblosen Körper auf dem Bett in Lembembes Wohnung in Yaoundé.  Hals und Beine waren gebrochen. An mehreren Stellen wies der Körper Verbrennungsverletzungen auf, die Täter mussten ihn mit einem Stück heißen Eisen gequält haben. Dass einer von Kameruns bekanntesten Gay-Rights-Aktivisten sterben musste, begründete Anatole Nkou, Kameruns Botschafter in Genf, mit dem „persönlichen Lebensstil“ des Ermordeten. Damit mache der Kamerunische Staat Lembembe zu einem kriminellen, beklagt Human Rights Watch. Bis heute bleiben die Mörder vom Lembembe unbekannt.

Diese Beispiele sind die Spitze des Eisbergs in Kamerun und in ganz Afrika. Die Situation für LGBT-Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahren verschärft.  Schwule, Lesben, Transgender: Mehr und mehr werden anders-leibende verfolgt, verhaftet, gepeinigt, getötet.  Amnesty-International meldete im November vergangenen Jahres 36 Länder südlich der Sahara, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellen.

Und auch Menschen, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzen sind gefährdet. Wie Alice Nkoms, deren Leben regelmäßig bedroht wird.  Das hatte sie aber nie abgehalten weiterzukämpfen. Im Jahre 2003 gründete die Rechtsanwältin die Organisation ADEFHO, die erste Nichtregierungsorganisation Kameruns, die sich für den Schutz und die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einsetzt. Sie bietet medizinische Behandlung, psychologische Beratung, sexuelle Aufklärung, Mediation, Sicherheitstrainings und Rechtsberatung an.

Philadelphia eröffnet LGBT-Wohnkomplex für Finanzschwache

Eine Wohnanlage für ältere Schwule, Lesben, Bi-Sexuelle und Transgender mit niedrigem Einkommen hat in Philadelphia eröffnet. Das unter dem Namen “John C. Anderson Apartments” geführte Gebäude besteht aus 56 Zwei-Zimmer-Wohnungen und liegt im als “Gayborhood” bekannten Viertel in der Innenstadt Philadelphias. Älteren, finanzschwachen Menschen der LGBT-Community soll damit ermöglichen werden, in einer Umgebung zu leben, in der sie sich wohl fühlen. Die Wohnungen sind den Bedürfnissen von Senioren angepasst. Schon kurz nach Inbetriebnahme des Hauses besteht eine Warteliste.

Das Haus ist eins von drei seiner Art in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Projekt wurde von Mark Segal, einem bekannten Verfechter von LGBT-Rechten und Gründer der Philadelphia Gay News, geleitet und kostete etwa 19,5 Millionen Dollar. Philadelphias Bürgermeister war bei der Inauguration dabei. Gegenüber CBS Philly betonte er die Wichtigkeit dieses Projekts für die Stadt. Damit führe Philadelphia in Sachen Menschenrechten und LGBT Angelegenheiten.

New York: Erneuter Angriff auf Homosexuelle

Sieben gebrochene Knochen – darunter Nase und Orbita – ein blaues Auge und eine Schnittwunde: Das ist das traurige Resultat eines Angriffs auf einen homosexuellen Mann im Stadtteil Greenwich Village im New Yorker Manhattan. Der 39-jährige J. P. Masterson und sein Partner, Peter Moore, warteten am Sonntag kurz nach Mitternacht an der Station West Fourth Street auf die U-Bahn, als sich ein Mann näherte und die beiden anpöbelte. Das Paar hatte zuvor sein Jubiläum für zehn Jahre Beziehung in einem Restaurant gefeiert. Ein schöner Abend endete damit tragisch.

“I fucking hate faggots”, “Ich hasse Schwuchtel”, sagte der Täter bevor er Masterson in Richtung Gleisen schubste und auf ihn einschlug. Der ließ erst ab, als Matterson einen Getränkebecher in das Gesicht des Angreifers warf. Der Täter rannte davon. Laut Opfer und seinem Freund waren etwa 50 Personen anwesend, doch niemand wollte helfen.

Die Polizei sucht nun nach dem Täter und veröffentlichte eine Skizze:

“Ich kann nicht glauben, dass ich im Village, wo ich mein Outing hatte und mich stets sicher fühlte, nun nervös sein muss”, verdeutlicht Masterson gegenüber CBS seine Enttäuschung über die aktuelle Situation in der Stadt. Der Übergriff auf ihn ist der jüngste Vorfall einer ganzen Reihe von Übergriffen auf Homosexuelle in New York City. Im Januar, beispielsweise, wurde der 46-jährige schwule Journalist Randy Gener angegriffen und in einer Lache seines Blutes bewusstlos zurückgelassen. Gener musste sich einer Operation am Gehirn unterziehen und erholt sich nur langsam von seinen Verletzungen. David Jimenez wurde in Brooklyn beim Gassi führen angegriffen, weil er für homosexuell gehalten wurde. Das perfide an dieser Situation: Jimener ist heterosexuell. Ein weitaus schlimmerer Fall ereignete vergangenes Jahr im Mai, ebenfalls im Greenwich Village, als der 32-jährige Mark Carson in der Nähe des Stonewall Inns erschossen wurde. Der Täter soll zuvor Anti-Gay-Aussagen gemacht haben.

Gleichberechtigung kommt auf den Lehrplan

Endlose Diskussionen über das Für und Zuwider der Aufklärung  über sexuelle Vielfalt an Deutschlands Schulen decken hierzulande auf, dass das Thema Homophobie und die Akzeptanz von Anders-Liebenden noch lange nicht zu den Akten gelegt werden kann. Stellvertretend für die Nation tragen derzeit in Baden-Württemberg Befürworter und Gegner eines reformierten Bildungsplans 2015 – mit dem Ziel: Akzeptanz von sexueller Vielfalt – einen unschönen Kampf aus. In Großbritannien ist man über solche Dinge erhaben. Dort macht man Nägel mit Köpfen. Im Cruzon Cinema, im West-End Londons, feierte gestern die Organisation Stonewall, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben und Bisexuelle einsetzt, die Premiere von „Free“, einem Aufklärungsfilm, der in Grundschulen Diskriminierung bekämpfen und über nicht-traditionelle Familienstrukturen altersgerecht aufklären will. Free wird an jede Grundschule im Vereinigtem Königreich geschickt, zusätzlich gibt es einen detaillierten Lehrplan.

Neue Wege zur eignen Identität finden, das war die Aufgabe, die sich Regisseur Rikki Beadle-Blair und sein Team im Vorfeld gestellt hatten. Vier Jahre lang arbeiteten die Macher mit Grundschulen, Lehrer, Schülern und Eltern zusammen. Das Ergebnis ist Free. Die Premiere wurde von der Bank BNP Paribas unterstützt.

Free folgt den Pfaden von Fit. Ebenfalls ein von der Stonewall-Organisation indiziertes Projekt, das bereits im Februar 2010 an alle weiterführenden Schulen des Landes distribuiert wurde, für Respekt, Verständnis sowie Gleichheit wirbt und von Lokalpersönlichkeiten unterstützt wurde.

Das aktuelle Stonewall-Projekt wird wie sein Vorgänger ebenfalls von bedeutenden Persönlichkeiten unterstützt. „Eine wundervolle Arbeit“, soll beispielsweise Kinderbuchautorin und Children’s Laureat Preisträgerin Jacqueline Wilson gelobt haben. Auch Justine Roberts, Geschäftsführerin von Britanniens größtem Online-Portal für Eltern, betonte, dass solche Filme Kinder hervorragend bestätigen und erziehen.

Was in Deutschland vielleicht nicht einmal im Jahre 2015 der Fall sein, startete in Großbritannien bereits vor vier Jahren, im Jahre 2010. Die Engländer haben wohl verstanden, dass Aufklärung von Schülern der Richtige Weg zu weniger Leid und Diskriminierung an Schulen ist und in der Folge zu einer besseren Gesellschaft führt.  Zu hoffen bleibt, dass auch hierzulande die Vernunft siegt, über veraltete Strukturen und ihre eingeschränkte Sicht der Dinge.

Hier ein paar Fakten:

Ja-Wort für mehr Akzeptanz

In Myanmar, auch bekannt als Burma, hat ein schwules Paar nach eigener Aussage die erste Hochzeit gleichgeschlechtlicher Partner gefeiert. Die Zeremonie in einem Hotel der Stadt Yangon richtete sich nach traditionellen Richtlinien, gesetzlich genießt der Bund jedoch keinen Stellenwert. Bevor sie sich das Ja-Wort gaben, sollen der 38-jährige Tin Ko Ko und der 28 Jahre alte Myo Min Htet Medienberichten zufolge zehn Jahre lang zusammen gewesen sein, ohne ihre Beziehung öffentlich zu machen. „Meine Familie akzeptierte mich. Ich bin so froh, dass sich meine Eltern verständlich erwiesen“, beschrieb Tin Ko Ko während seiner Rede vor den Gästen und ergänzte über seinen Ehemann: „Er allerdings musste viele Hürden seiner Familie überwinden.“

Homosexuelle werden in dem asiatischen Land diskriminiert und gelten vor dem Gesetz sogar als kriminell. Die Situation hat sich mit dem Ende der Militärdiktatur im Jahre 2010 jedoch deutlich entspannt.  2012 feierten die LGBT-Community ihre erste Gay Pride. Tin Ko Ko und Myo Min Htet arbeiten beide  in Menschenrechtsorganisationen. Ihre Vermählung machten sie in lokalen Medien bekannt. Den genauen Veranstaltungsort hielten sie aber aus Angst vor Übergriffen geheim. Journalisten mischten sich dennoch unter die Gäste. Seitdem kursieren Fotos im Internet.

„Wir haben beide hart gearbeitet, um das Wirklichkeit werden zu lassen“, sagte Myo Min Htet. „Ich bin sprachlos, ich bin so glücklich.“ Mit der Hochzeit feiert das Paar auch sein zehnjähriges Beziehungsjahr.