Anwältin aus Kamerun erhält Menschenrechtspreis

Alice Nkom ist Rechtsanwältin in Kamerun. In Berlin hat die 69-Jährige den siebten Menschenrechtspreis von Amnesty International verliehen bekommen. Nkom setzt sich in ihrem Land für die Rechte von Schulen, Lesben und Transgender ein.

“Solange das die Leute unter sich gemacht haben, nicht in der Öffentlichkeit, hat es niemanden gestört” wird Nkom von sueddeutsche.de über homosexuelles Verhalten in Kamerun zitiert. Was hierzulande zu Schnappatmungen führen würde, weil es ja impliziert, dass sich Schwule und Lesben verstecken und ein Leben in einer Parallelgesellschaft führen müssten, würde in dem westafrikanischen Land für Erleichterung bei den Betroffenen sorgen. Homosexualität wird in mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren verfolgt.

Das berühmteste Beispiel ist gleichzeitig auch Nkoms aufsehenerregendster Fall: Sie vertrat den Studenten Roger Mbede vor Gericht, weil der eine SMS an einem Mann schickte. „I’m very much in love with you“, hatte er darin geschrieben.  Mbede wurde von der Polizei aufgegriffen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach 16 Monaten durfte er das Gefängnis aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig verlassen. Nie mehr habe er ein normales Leben führen können, auch weil er die Kosten für seine medizinischen Behandlungen nicht mehr tragen konnte. Im Januar starb er an den Folgen von Hodenkrebs.

Ein weiterer Fall, der für Aufsehen sorgte, ist die Geschichte von Eric Ohena Lembembe – Journalist, Aktivist für die Rechte von LGBTI und Vorsitzender der Cameroonian Foundation for AIDS (CAMFAIDS). Die Schicksale der beiden Männer sind sogar verbunden: Lembembe hatte im Jahre 2012 einen Bericht über Roger Mbede verfasst, als der verurteilte Schwule aus seiner Haft entlassen wurde. Ein Jahr später, im 15. Juli 2013, musste Lembemde sterben, weil er schwul war und sich zudem für die Rechte von Homosexuellen einsetzte.

Freunde fanden den leblosen Körper auf dem Bett in Lembembes Wohnung in Yaoundé.  Hals und Beine waren gebrochen. An mehreren Stellen wies der Körper Verbrennungsverletzungen auf, die Täter mussten ihn mit einem Stück heißen Eisen gequält haben. Dass einer von Kameruns bekanntesten Gay-Rights-Aktivisten sterben musste, begründete Anatole Nkou, Kameruns Botschafter in Genf, mit dem „persönlichen Lebensstil“ des Ermordeten. Damit mache der Kamerunische Staat Lembembe zu einem kriminellen, beklagt Human Rights Watch. Bis heute bleiben die Mörder vom Lembembe unbekannt.

Diese Beispiele sind die Spitze des Eisbergs in Kamerun und in ganz Afrika. Die Situation für LGBT-Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahren verschärft.  Schwule, Lesben, Transgender: Mehr und mehr werden anders-leibende verfolgt, verhaftet, gepeinigt, getötet.  Amnesty-International meldete im November vergangenen Jahres 36 Länder südlich der Sahara, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellen.

Und auch Menschen, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzen sind gefährdet. Wie Alice Nkoms, deren Leben regelmäßig bedroht wird.  Das hatte sie aber nie abgehalten weiterzukämpfen. Im Jahre 2003 gründete die Rechtsanwältin die Organisation ADEFHO, die erste Nichtregierungsorganisation Kameruns, die sich für den Schutz und die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einsetzt. Sie bietet medizinische Behandlung, psychologische Beratung, sexuelle Aufklärung, Mediation, Sicherheitstrainings und Rechtsberatung an.

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Schönen Urlaub

Wo kann man als Homosexueller gut Urlaub machen und vor allem: Wo ist man willkommen? Der Gay Travel Index hat 138 Länder der Welt verglichen und eine Rangliste der LGBT-freundlichsten Urlaubsorte aufgestellt. Auf Platz eins hat es Schweden geschafft – nicht nur wegen der liberalen Gesetzgebung, sondern auch wegen des toleranten Klimas in der Bevölkerung. 

Den letzten Platz belegt erneut der Iran. Vor einigen Jahren erlangte das Land traurige Berühmtheit, weil hier Schwule an Baukränen aufgehängt wurden. Trotz der moderaten Töne des neuen Präsidenten Rohanni hat sich an der Realität nichts geändert. Nach wie vor sperrt das Mullah-Regime Homosexuelle ins Gefängnis und lässt sie öffentlich hinrichten.

Überhaupt sollten sich schwullesbische Urlauber überlegen, ob sie in den Nahen Osten reisen wollen. In Ägypten, Jordanien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sieht es kaum besser aus. Ganz weit hinten liegt auch Russland, wegen der jüngst verabschiedeten Gesetze gegen “Homosexuellen-Propaganda”.

Es gibt aber auch Fortschritte, etwa in den USA, wo sich in immer mehr Bundesstaaten die Homo-Ehe durchsetzt. In Ländern wie Panama, Taiwan, Brasilien, Thailand und Chile hat sich die Situation für LGBT im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Indien hingegen ist im Vergleich zum Vorjahr um 15 Plätze abgerutscht. 2013 hatte das oberste Gericht Homosexualität für strafbar erklärt.

So richtig unbeschwert können Homosexuelle vor allem in Europa Urlaub machen. Doch es gibt auch hier ein Ost-West-Gefälle. In Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden oder Belgien ist die Situation besser als in Polen, Tschechien, Rumänien oder im Baltikum. Deutschland liegt im Ranking auf Platz 13, noch hinter Uruguay, Spanien und Island. Als Grund dafür nannten die Herausgeber des Gay Travel Index den mangelnden Fortschritt bei der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen in Deutschland.

Philadelphia eröffnet LGBT-Wohnkomplex für Finanzschwache

Eine Wohnanlage für ältere Schwule, Lesben, Bi-Sexuelle und Transgender mit niedrigem Einkommen hat in Philadelphia eröffnet. Das unter dem Namen “John C. Anderson Apartments” geführte Gebäude besteht aus 56 Zwei-Zimmer-Wohnungen und liegt im als “Gayborhood” bekannten Viertel in der Innenstadt Philadelphias. Älteren, finanzschwachen Menschen der LGBT-Community soll damit ermöglichen werden, in einer Umgebung zu leben, in der sie sich wohl fühlen. Die Wohnungen sind den Bedürfnissen von Senioren angepasst. Schon kurz nach Inbetriebnahme des Hauses besteht eine Warteliste.

Das Haus ist eins von drei seiner Art in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Projekt wurde von Mark Segal, einem bekannten Verfechter von LGBT-Rechten und Gründer der Philadelphia Gay News, geleitet und kostete etwa 19,5 Millionen Dollar. Philadelphias Bürgermeister war bei der Inauguration dabei. Gegenüber CBS Philly betonte er die Wichtigkeit dieses Projekts für die Stadt. Damit führe Philadelphia in Sachen Menschenrechten und LGBT Angelegenheiten.

New York: Erneuter Angriff auf Homosexuelle

Sieben gebrochene Knochen – darunter Nase und Orbita – ein blaues Auge und eine Schnittwunde: Das ist das traurige Resultat eines Angriffs auf einen homosexuellen Mann im Stadtteil Greenwich Village im New Yorker Manhattan. Der 39-jährige J. P. Masterson und sein Partner, Peter Moore, warteten am Sonntag kurz nach Mitternacht an der Station West Fourth Street auf die U-Bahn, als sich ein Mann näherte und die beiden anpöbelte. Das Paar hatte zuvor sein Jubiläum für zehn Jahre Beziehung in einem Restaurant gefeiert. Ein schöner Abend endete damit tragisch.

“I fucking hate faggots”, “Ich hasse Schwuchtel”, sagte der Täter bevor er Masterson in Richtung Gleisen schubste und auf ihn einschlug. Der ließ erst ab, als Matterson einen Getränkebecher in das Gesicht des Angreifers warf. Der Täter rannte davon. Laut Opfer und seinem Freund waren etwa 50 Personen anwesend, doch niemand wollte helfen.

Die Polizei sucht nun nach dem Täter und veröffentlichte eine Skizze:

“Ich kann nicht glauben, dass ich im Village, wo ich mein Outing hatte und mich stets sicher fühlte, nun nervös sein muss”, verdeutlicht Masterson gegenüber CBS seine Enttäuschung über die aktuelle Situation in der Stadt. Der Übergriff auf ihn ist der jüngste Vorfall einer ganzen Reihe von Übergriffen auf Homosexuelle in New York City. Im Januar, beispielsweise, wurde der 46-jährige schwule Journalist Randy Gener angegriffen und in einer Lache seines Blutes bewusstlos zurückgelassen. Gener musste sich einer Operation am Gehirn unterziehen und erholt sich nur langsam von seinen Verletzungen. David Jimenez wurde in Brooklyn beim Gassi führen angegriffen, weil er für homosexuell gehalten wurde. Das perfide an dieser Situation: Jimener ist heterosexuell. Ein weitaus schlimmerer Fall ereignete vergangenes Jahr im Mai, ebenfalls im Greenwich Village, als der 32-jährige Mark Carson in der Nähe des Stonewall Inns erschossen wurde. Der Täter soll zuvor Anti-Gay-Aussagen gemacht haben.

Gleichberechtigung kommt auf den Lehrplan

Endlose Diskussionen über das Für und Zuwider der Aufklärung  über sexuelle Vielfalt an Deutschlands Schulen decken hierzulande auf, dass das Thema Homophobie und die Akzeptanz von Anders-Liebenden noch lange nicht zu den Akten gelegt werden kann. Stellvertretend für die Nation tragen derzeit in Baden-Württemberg Befürworter und Gegner eines reformierten Bildungsplans 2015 – mit dem Ziel: Akzeptanz von sexueller Vielfalt – einen unschönen Kampf aus. In Großbritannien ist man über solche Dinge erhaben. Dort macht man Nägel mit Köpfen. Im Cruzon Cinema, im West-End Londons, feierte gestern die Organisation Stonewall, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben und Bisexuelle einsetzt, die Premiere von „Free“, einem Aufklärungsfilm, der in Grundschulen Diskriminierung bekämpfen und über nicht-traditionelle Familienstrukturen altersgerecht aufklären will. Free wird an jede Grundschule im Vereinigtem Königreich geschickt, zusätzlich gibt es einen detaillierten Lehrplan.

Neue Wege zur eignen Identität finden, das war die Aufgabe, die sich Regisseur Rikki Beadle-Blair und sein Team im Vorfeld gestellt hatten. Vier Jahre lang arbeiteten die Macher mit Grundschulen, Lehrer, Schülern und Eltern zusammen. Das Ergebnis ist Free. Die Premiere wurde von der Bank BNP Paribas unterstützt.

Free folgt den Pfaden von Fit. Ebenfalls ein von der Stonewall-Organisation indiziertes Projekt, das bereits im Februar 2010 an alle weiterführenden Schulen des Landes distribuiert wurde, für Respekt, Verständnis sowie Gleichheit wirbt und von Lokalpersönlichkeiten unterstützt wurde.

Das aktuelle Stonewall-Projekt wird wie sein Vorgänger ebenfalls von bedeutenden Persönlichkeiten unterstützt. „Eine wundervolle Arbeit“, soll beispielsweise Kinderbuchautorin und Children’s Laureat Preisträgerin Jacqueline Wilson gelobt haben. Auch Justine Roberts, Geschäftsführerin von Britanniens größtem Online-Portal für Eltern, betonte, dass solche Filme Kinder hervorragend bestätigen und erziehen.

Was in Deutschland vielleicht nicht einmal im Jahre 2015 der Fall sein, startete in Großbritannien bereits vor vier Jahren, im Jahre 2010. Die Engländer haben wohl verstanden, dass Aufklärung von Schülern der Richtige Weg zu weniger Leid und Diskriminierung an Schulen ist und in der Folge zu einer besseren Gesellschaft führt.  Zu hoffen bleibt, dass auch hierzulande die Vernunft siegt, über veraltete Strukturen und ihre eingeschränkte Sicht der Dinge.

Hier ein paar Fakten:

Der Hitzlsperger der NBA

Jason Collins ist der erste offen schwule Profi in der amerikanischen Basketball-Liga NBA. Der 35-Jährige unterschrieb Anfang der Woche einen Vertrag bei dem Verein Brooklyn Nets. Im April 2013 hatte sich Collins zu seiner Homosexualität bekannt. Dafür gab es sogar Lob von US-Präsident Barack Obama. Collins ist der erste Profi, der in einer der vier großen Ligen (Basketball, Football, Baseball, Hockey) einen Vertrag hat. “Ich habe nicht die Zeit, mir über diese historische Bedeutung Gedanken zu machen”, sagte Collins auf einer Pressekonferenz.

Es tut sich was im amerikanischen Profisport. Im Februar bezeichnete sich der angehende Football-Profi Michael Sam als “schwuler, stolzer Mann”. Bereits vor einem Jahr ging Fußballprofi Robbie Rogers an die Öffentlichkeit. Sein Coming Out fiel jedoch mit dem Ende seiner Profi-Karriere zusammen. Im Oktober 2012 outete sich der puertoricanische Boxer Orlando Cruz als schwul. Auch der deutsche Profi-Sport ist keine Domäne der Heterosexualität mehr, seit sich Ex-Bayern-München-Star Thomas Hitzlsperger in der Zeit als erster Fußballprofi zu seiner Sexualität bekannte. Mit seinem Bekenntnis hat Hitzlsperger zwar tagelang die öffentliche Diskussion bestimmt, doch im Jahr der Fußball-WM in Brasilien trauen sich anscheinend keine weiteren Profis, seinem Beispiel zu folgen.

Ja-Wort für mehr Akzeptanz

In Myanmar, auch bekannt als Burma, hat ein schwules Paar nach eigener Aussage die erste Hochzeit gleichgeschlechtlicher Partner gefeiert. Die Zeremonie in einem Hotel der Stadt Yangon richtete sich nach traditionellen Richtlinien, gesetzlich genießt der Bund jedoch keinen Stellenwert. Bevor sie sich das Ja-Wort gaben, sollen der 38-jährige Tin Ko Ko und der 28 Jahre alte Myo Min Htet Medienberichten zufolge zehn Jahre lang zusammen gewesen sein, ohne ihre Beziehung öffentlich zu machen. „Meine Familie akzeptierte mich. Ich bin so froh, dass sich meine Eltern verständlich erwiesen“, beschrieb Tin Ko Ko während seiner Rede vor den Gästen und ergänzte über seinen Ehemann: „Er allerdings musste viele Hürden seiner Familie überwinden.“

Homosexuelle werden in dem asiatischen Land diskriminiert und gelten vor dem Gesetz sogar als kriminell. Die Situation hat sich mit dem Ende der Militärdiktatur im Jahre 2010 jedoch deutlich entspannt.  2012 feierten die LGBT-Community ihre erste Gay Pride. Tin Ko Ko und Myo Min Htet arbeiten beide  in Menschenrechtsorganisationen. Ihre Vermählung machten sie in lokalen Medien bekannt. Den genauen Veranstaltungsort hielten sie aber aus Angst vor Übergriffen geheim. Journalisten mischten sich dennoch unter die Gäste. Seitdem kursieren Fotos im Internet.

„Wir haben beide hart gearbeitet, um das Wirklichkeit werden zu lassen“, sagte Myo Min Htet. „Ich bin sprachlos, ich bin so glücklich.“ Mit der Hochzeit feiert das Paar auch sein zehnjähriges Beziehungsjahr.