Diskriminierung

Kirche von England sagt Homophobie an Schulen den Kampf an

Es ist ein weiterer Schritt einer christlichen Institution in Richtung Zivilisation: Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und damit das geistliche Oberhaupt der Kirche von England, hat einen Leitfaden zur Bekämpfung von Homophobie an Schulen der Church of England herausgegeben. “Valuing All God’s Children” heißt das 72-Seiten lange Werk, das zu Beginn zunächst zehn Empfehlungen ausspricht, dann ins Detail geht und Begriffe wie Homophobie und homophobe Schikane für alle Betroffene deutet. Auch der derzeitige legale Rahmen wird erläutert und dabei die Homo-Ehe aufgegriffen. Als Beweggrund für die Erschaffung der Richtlinien benennt der Erzbischof die fürchterlichen Auswirkungen homophober Diskriminierung auf Schüler.

“Less than a year ago I set out my concerns about the terrible impact of homophobic bullying on the lives of young people and I made a public commitment to support our schools in eradicating homophobic stereotyping and bullying.

Dass der neuzeitliche Tatendrang des Kirchenmannes allerdings nicht ganz selbstlos ist, zeigt sich bereits im Vorwort der Publikation. Nach dem Motto: Bevor wir selbst zum Hassobjekt für alle werden, passen wir uns lieber der Meinung aller an, verdeutlicht Welby, dass auch wenn die Kirche ihre Lehren über homosexuelle Beziehungen nicht ändere, müsse man doch akzeptieren, dass in dem Bereich eine Revolution stattfindet. Der Großteil der Bevölkerung verabscheue homophobes Verhalten und alles, was danach aussieht und manchmal, so der Geistliche weiter, “schauen sie auf uns und sehen, was sie nicht mögen”.

Ob politischer Schachzug oder christliche Nächstenliebe, die Bemühungen kommen den Schülern zugute. Wie auch die Publikation verdeutlicht, ist es die Aufgabe von allen Lehrinstitutionen, die Einzigartigkeit jedes Kindes zu schätzen und individuelles Potential zu fördern. Das Papier verurteilt jegliche Form homophober Diskriminierung und stellt klar, dass selbst die Bezugnahme auf christliche Lehren oder die Bibel ein solches Verhalten nicht rechtfertigt.

Hier die zehn Empfehlungen:

  1. Schools should ensure that their Christian ethos statement emphasises an inclusivity that welcomes all, and reveres and respects all members of the diverse community as individuals who are known and loved by God.
  2. All school staff should be trained to recognise and understand how to challenge all types of bullying including homophobic language and behaviour. They should also be trained to offer pastoral support in the context of the issues surrounding sexual identity and homophobic bullying.
  3. Schools should ensure that their behaviour policies include clear expectations that homophobic behaviour and language will not be tolerated and that there can be no justification for this negative behaviour based on the Christian faith or the Bible.
  4. In Collective Worship, themes and values that play a part in challenging bullying in all forms should be explored.
  5. Opportunities should be offered for pupils to explore why some people seek to bully and that bullying can take the form of homophobic bullying. Strategies of how to protect yourself and others from bullying should be taught and pupils should be confident that if they report bullying it will be taken seriously.
  6. Systems for monitoring and analysing incidents of bullying should include homophobic bullying as a category and the school should regularly review the effectiveness of its curriculum, strategies and ethos in this regard.
  7. Governors should take responsibility for monitoring and evaluating the effectiveness of anti-bullying strategies and ensure that regular reports about bullying and wellbeing are part of the cycle of governors’ meetings. On all governing bodies there will be a nominated lead governor on safety and behaviour which will include bullying.
  8. Within the secondary phase sexual orientation is included as an aspect of Sex and Relationships Education, ensuring that the official Church of England view is taught clearly alongside other viewpoints held by Anglicans, other Christians, and different faith perspectives and world-views.
  9. Anti-bullying procedures and outcomes should be included as a performance indicator of a Church school that is distinctive and effective and included in the SIAMS framework for inspection.
  10. Diocesan Boards of Education and Diocesan Multi-Academy Trusts should monitor incidents of bullying in their schools and develop systems to monitor schools’ strategies for inclusion and bullying, supporting effective implementation.

Das Beispiel vom Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg zeigt, dass allein das Vorhaben zu mehr sexueller Aufklärung in Deutschland für Aufregung sorgt. Während hierzulande mehrere Tausende Menschen auf die Straße gehen, um den Vorschlag der Grünen zu verhindern, machen die Engländer vor, was Zivilisation im Jahre 2014 wirklich bedeutet. Kürzlich erst berichteten wir über die englische LGBT-Organisation Stonewall, die ihren Aufklärungsfilm “Free” an alle Schulen des Landes verteilte. “Free” möchte ebenfalls Diskriminierung in Bildungseinrichtungen verhindern. Vier Jahre lang haben die Macher dafür mit Schulen, Schülern und Lehrern zusammengearbeitet.

Das vor ein paar Tagen veröffentlichte Werk der englischen Kirche macht zwar deutlich, dass es in keinster Weise als Beitrag zu einem Lehrplan verstanden werden möchte. Doch anders als in Deutschland bemühen sich in England Gruppen aus den unterschiedlichen Lagern um das, worum es eigentlich jeden allen sollte: Das Wohl jedes einzelnen Schülers – ohne Ausnahme.

Wenn es um fortschrittliches Denken sowie Toleranz und Akzeptanz von Homosexualität geht, stehen die Engländer im europäischen Vergleich ganz vorn. Das zeigt eine Anfang Mai veröffentlichte Studie der Organisation IGLA-Europe. In der Rainbow Europe Map stellt ein aus mehreren Faktoren zustande kommender Index jährlich die Situation von LGBT-Rechten in 49 Ländern dar. England führt mit dem höchsten Wert für Gleichberechtigung die Liste seit drei Jahren an. Die komplette Studie ist hier einsehbar. Sajid Javid, der englische Minister für Gleichberechtigung, kommentierte die Spitzenposition mit den Worten: “Ich bin erfreut, dass unsere Bemühungen, die Menschen vor Diskriminierung aufgrund ihrer Sexualität zu schützen, anerkannt wird.”

Advertisements