LGBT

Kein Grund, stolz zu sein

Ich hasse langweilige Latsch-Demos. Große Menschenansammlungen sind mir zuwider. Und doch gibt es ein Datum im Jahr, an dem ich meine Urängste überwinde: die CSD-Parade in Berlin, Höhepunkt der Pride-Week. Tage vorher freue ich mich darauf, mit Freunden und Kaltgetränken in der Hand durch Berlin zu ziehen. Wenn alle Demonstrationen so hedonistisch wären, würde ich viel häufiger auf die Straße gehen. Auch wenn ich keine Transparente mit mir herumtrage und mich nicht zu großen Reden von der Barrikade aufschwinge, mache ich mir meine Gedanken über den Sinn einer einer Veranstaltung wie dem CSD und da stolpere ich zuerst über den Namen: Pride. Ich mag das Wort nicht sonderlich. Auf seine sexuelle Orientierung stolz zu sein, ist genauso unsinnig, wie auf seine Nation oder Hautfarbe. Alles sind Dinge, die sich nicht ändern lassen. Auch die Umstände, unter denen Lesben, Schwule, Bi-, Trans- oder Intersexuelle heute immer noch leben, sind kein Grund stolz zu sein. In vielen Ländern ist Homosexualität lebensgefährlich, selbst Deutschland ist von einer Gleichberechtigung bei Ehe und Adoption weit entfernt.  Als Zeichen des guten Willens gegenüber der LGBT-Community hängen die Politiker, die diese Rechte immer noch verweigern, in der schwulen Hauptsaison Regenbogenflaggen an Rathäuser und Amtsstuben. So eine Geste kostet nichts und bringt noch viel weniger. Währenddessen verbreitet ein CDU-Provinzpolitiker reaktionäres Gedankengut und bedauert die Legalisierung der Homosexualität. Die Aufregung war groß, ebenso wie die Bewunderung, dass es da einer den “Pädo-Homo-Funktionären” so richtig gezeigt hat. Genug zu tun, sollte man meinen. An gemeinsamen Feinden mangelt es jedenfalls nicht, doch die Berliner Community ist zerstritten wie nie, was der Stadt in diesem Jahr bizarrerweise drei parallel stattfindende Pride-Paraden bescherte, die sich gegenseitig das Publikum wegnahmen. Ziel des CSD sollte sein, sich eines Tages überflüssig zu machen, doch lieber verlieren sich die Veranstalter in bizarren Streitigkeiten. Man darf gespannt sein, wie viele Paraden im kommenden Jahr stattfinden. Nichts gegen Pluralismus – gerade in der LGBTI-Community, aber die Zersplitterung schwächt das gemeinsame Anliegen für Gleichberechtigung. Dass nicht einmal darüber Einigkeit herrscht, ist wirklich kein Grund, stolz zu sein.

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Aufatmen ist nicht: LGBTI-Rechte in Europa eher Durchschnitt

Der Frankfurter Engel erinnert an die Homosexuellenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Image: Domenico Sciurti

Der Frankfurter Engel erinnert an die Homosexuellenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Image: Domenico Sciurti

Es sind Zahlen, die Sorgen bereiten. Homosexuell zu sein ist in 77 Ländern illegal. 2,7 Milliarden Menschen sind gezwungen, heterosexuell zu leben, ungeachtet dessen, was in ihrer Natur liegt. In mindestens fünf Ländern kann es sogar die Todesstrafe geben, sollte man dabei erwischt werden, das gleiche Geschlecht zu lieben. Die Rechte von Homo- und Bisexuellen wie auch Transgendern sind im Jahre 2014 alles andere als selbstverständlich: In KEINEM Land dieser Erde werden Homosexuellen die gleichen Rechte zugesprochen wie Heterosexuellen. Der Guardian hat eine interaktive Graphik erstellt, die die Ergebnisse einer Studie der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Assoziation (Ilga), dem Dachverband von LGBTI-Organisationen weltweit, aufzeigt.

Die Studie beurteilt die Qualität der rechtlichen Situation in den einzelnen Ländern anhand von fünf Kategorien: Wo ist einvernehmlicher Sex von Menschen gleichen Geschlechts erlaubt? Wo gibt es gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz? Haben gleichgeschlechtliche Paare das Recht zu heiraten? Dürfen diese Paare Kinder adoptieren? Sind LGBTI-Menschen bei Übergriffen strafrechtlich geschützt?

Die Graphik zeigt: Während auf der einen Seite der Welt, die Recht der LGBTI zunehmen – beispielsweise in den USA, wo in den vergangenen Jahren immer mehr Staaten die Homo-Ehe einführten – hat sich die Situation an anderen Orten der Welt verschlechtert. In Uganda und Nigeria haben die Staatspräsidenten vor einigen Monaten erst verschärfte Gesetze gegen homosexuelle Menschen und deren Unterstützer unterschrieben. Zuvor noch hat in Russland das Gesetzt gegen homosexuelle Propaganda weltweit  für Aufsehen gesorgt. Die Menschen in diesen Ländern werden seitdem verstärkt unterdrückt, verfolgt, gefoltert. Auch Berichte über Morde wurden zumeist durch das Internet übermittelt.

Selbst in Europa gibt es keinen Grund, entspannt auf die Zustände zu blicken. Denn höchstens als besseren Durchschnitt kann dort die rechtliche Situation der LGBTI-Community beurteilt werden. Deutschland gehört mit drei von fünf erfüllten Kategorien – wobei es keine hundertprozentigen Rechte bei den Lebenspartnerschaften gibt – auch nur zum Durchschnitt im Durchschnitt. Elf Staaten,  das sind 22 Prozent der europäischen Länder, erfüllen drei von fünf Kategorien. Neben der Bundesrepublik stehen Länder wie Albanien, Slowakei und Rumänien. An der europäischen Spitze sind Belgien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich von England. Sie sichern den LGBTI-Menschen fünf von fünf gewerteten Rechten zu. Als positiv muss wohl bewertet werden, dass kein EU-Land Homosexualität als solches verurteilt und verbietet.

Detailliertere Informationen zu Europa bietet auch die Studie Europe Rainbow Package, die jährlich von der europäischen Abteilung des Ilga Dachverbandes durchgeführt und veröffentlicht wird. Bereits die Betitelung der diesjährigen Publikation spricht für sich: “Rainbow Europe 2014: Europe’s score on LGBTI human rights remains average.”Das Paket kommt in zwei Teilen: Die Map verschafft einen schnellen Überblick. Auch sie zeigt, dass Deutschland nur mittelmäßig abschneidet.

Die „Review“, die jährliche Besprechung, nimmt Institutionen wie die Vereinten Nationen, den Europarat und die Europäische Union unter die Lupe. Sie benennt zudem einzelne Vorkommnisse und Tendenzen in den 49 Ländern. Über Deutschland heißt es: „The winning coalition (CDU/CSU and SPD) did not include marriage equality in its programme of government, but announced it would tackle homophobia and transphobia as part of an existing national action plan.”

Das komplette PDF kann hier eingesehen werden.

Global gesehen bilden Afrika und Asien das Schlusslicht. Kaum überraschend, und doch nicht weniger traurig. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle müssen in 55 Prozent aller afrikanischer und in 51 Prozent aller asiatischen Länder ein Doppelleben führen. Dort werden ihnen nämlich gar keine Rechte zugesprochen. Besonders schlimm trifft es die Menschen im Iran, in Mauretanien, Saudi Arabien, im Sudan und im Yemen. Wer dort als Homosexueller ausgemacht wird, riskiert sein Leben.

In vielen Ländern leiden Menschen, weil sie nicht so lieben wie andere. Der Guardian berichtet, dass weitere Staaten die Rechte von LGBTI einschränken wollen. Länder, die bisher kaum Aufmerksamkeit durch Medien erhielten. Kirgistan erwägt ein Anti-Propaganda-Gesetz nach russischem Vorbild einzurichten. Brunei, ein kleiner Staat in Asien, möchte die Scharia als offizielle Rechtsprechung einführen; die Scharia bestraft Homosexualität.

Auch wenn in manchen Teilen der Welt positive Entwicklungen auszumachen sind, aufatmen ist nicht. Die Grafik zeigt dies eindeutig.

Kirche von England sagt Homophobie an Schulen den Kampf an

Es ist ein weiterer Schritt einer christlichen Institution in Richtung Zivilisation: Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und damit das geistliche Oberhaupt der Kirche von England, hat einen Leitfaden zur Bekämpfung von Homophobie an Schulen der Church of England herausgegeben. “Valuing All God’s Children” heißt das 72-Seiten lange Werk, das zu Beginn zunächst zehn Empfehlungen ausspricht, dann ins Detail geht und Begriffe wie Homophobie und homophobe Schikane für alle Betroffene deutet. Auch der derzeitige legale Rahmen wird erläutert und dabei die Homo-Ehe aufgegriffen. Als Beweggrund für die Erschaffung der Richtlinien benennt der Erzbischof die fürchterlichen Auswirkungen homophober Diskriminierung auf Schüler.

“Less than a year ago I set out my concerns about the terrible impact of homophobic bullying on the lives of young people and I made a public commitment to support our schools in eradicating homophobic stereotyping and bullying.

Dass der neuzeitliche Tatendrang des Kirchenmannes allerdings nicht ganz selbstlos ist, zeigt sich bereits im Vorwort der Publikation. Nach dem Motto: Bevor wir selbst zum Hassobjekt für alle werden, passen wir uns lieber der Meinung aller an, verdeutlicht Welby, dass auch wenn die Kirche ihre Lehren über homosexuelle Beziehungen nicht ändere, müsse man doch akzeptieren, dass in dem Bereich eine Revolution stattfindet. Der Großteil der Bevölkerung verabscheue homophobes Verhalten und alles, was danach aussieht und manchmal, so der Geistliche weiter, “schauen sie auf uns und sehen, was sie nicht mögen”.

Ob politischer Schachzug oder christliche Nächstenliebe, die Bemühungen kommen den Schülern zugute. Wie auch die Publikation verdeutlicht, ist es die Aufgabe von allen Lehrinstitutionen, die Einzigartigkeit jedes Kindes zu schätzen und individuelles Potential zu fördern. Das Papier verurteilt jegliche Form homophober Diskriminierung und stellt klar, dass selbst die Bezugnahme auf christliche Lehren oder die Bibel ein solches Verhalten nicht rechtfertigt.

Hier die zehn Empfehlungen:

  1. Schools should ensure that their Christian ethos statement emphasises an inclusivity that welcomes all, and reveres and respects all members of the diverse community as individuals who are known and loved by God.
  2. All school staff should be trained to recognise and understand how to challenge all types of bullying including homophobic language and behaviour. They should also be trained to offer pastoral support in the context of the issues surrounding sexual identity and homophobic bullying.
  3. Schools should ensure that their behaviour policies include clear expectations that homophobic behaviour and language will not be tolerated and that there can be no justification for this negative behaviour based on the Christian faith or the Bible.
  4. In Collective Worship, themes and values that play a part in challenging bullying in all forms should be explored.
  5. Opportunities should be offered for pupils to explore why some people seek to bully and that bullying can take the form of homophobic bullying. Strategies of how to protect yourself and others from bullying should be taught and pupils should be confident that if they report bullying it will be taken seriously.
  6. Systems for monitoring and analysing incidents of bullying should include homophobic bullying as a category and the school should regularly review the effectiveness of its curriculum, strategies and ethos in this regard.
  7. Governors should take responsibility for monitoring and evaluating the effectiveness of anti-bullying strategies and ensure that regular reports about bullying and wellbeing are part of the cycle of governors’ meetings. On all governing bodies there will be a nominated lead governor on safety and behaviour which will include bullying.
  8. Within the secondary phase sexual orientation is included as an aspect of Sex and Relationships Education, ensuring that the official Church of England view is taught clearly alongside other viewpoints held by Anglicans, other Christians, and different faith perspectives and world-views.
  9. Anti-bullying procedures and outcomes should be included as a performance indicator of a Church school that is distinctive and effective and included in the SIAMS framework for inspection.
  10. Diocesan Boards of Education and Diocesan Multi-Academy Trusts should monitor incidents of bullying in their schools and develop systems to monitor schools’ strategies for inclusion and bullying, supporting effective implementation.

Das Beispiel vom Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg zeigt, dass allein das Vorhaben zu mehr sexueller Aufklärung in Deutschland für Aufregung sorgt. Während hierzulande mehrere Tausende Menschen auf die Straße gehen, um den Vorschlag der Grünen zu verhindern, machen die Engländer vor, was Zivilisation im Jahre 2014 wirklich bedeutet. Kürzlich erst berichteten wir über die englische LGBT-Organisation Stonewall, die ihren Aufklärungsfilm “Free” an alle Schulen des Landes verteilte. “Free” möchte ebenfalls Diskriminierung in Bildungseinrichtungen verhindern. Vier Jahre lang haben die Macher dafür mit Schulen, Schülern und Lehrern zusammengearbeitet.

Das vor ein paar Tagen veröffentlichte Werk der englischen Kirche macht zwar deutlich, dass es in keinster Weise als Beitrag zu einem Lehrplan verstanden werden möchte. Doch anders als in Deutschland bemühen sich in England Gruppen aus den unterschiedlichen Lagern um das, worum es eigentlich jeden allen sollte: Das Wohl jedes einzelnen Schülers – ohne Ausnahme.

Wenn es um fortschrittliches Denken sowie Toleranz und Akzeptanz von Homosexualität geht, stehen die Engländer im europäischen Vergleich ganz vorn. Das zeigt eine Anfang Mai veröffentlichte Studie der Organisation IGLA-Europe. In der Rainbow Europe Map stellt ein aus mehreren Faktoren zustande kommender Index jährlich die Situation von LGBT-Rechten in 49 Ländern dar. England führt mit dem höchsten Wert für Gleichberechtigung die Liste seit drei Jahren an. Die komplette Studie ist hier einsehbar. Sajid Javid, der englische Minister für Gleichberechtigung, kommentierte die Spitzenposition mit den Worten: “Ich bin erfreut, dass unsere Bemühungen, die Menschen vor Diskriminierung aufgrund ihrer Sexualität zu schützen, anerkannt wird.”

U. S. Post verewigt Harvey Milk in Forever Briefmarke

Das Bild für die Briefmarke von Harvey Milk wurde um das Jahr 1977 vor dem Kamera-Geschäft des Politikers in San Francisco aufgenommen. Image: The U.S. Postal Service®

 

Der U. S. Postal Service bringt eine Forever Briefmarke zu Ehren des Gay-Right-Aktivisten Harvey Milk heraus. Damit honoriert der Postdienst einen der ersten amerikanischen Politiker, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannten. Die Briefmarke erscheint – mehr als 35 Jahre nach Milks Ermordung – zu seinem Geburtstag am 22. Mai.

Milk ist in Europa vor allem seit Gus Van Sants gleichnamigem Film mit Sean Penn aus dem Jahre 2008 bekannt. Der im Staate New York Geborene kämpfte für die Rechte von Schwulen und Lesben und kandidierte in San Francisco mehrere Male und ohne Erfolg für ein öffentliches Amt. Milk gab nie auf und sorgte Landesweit für Aufregung. Er erhielt viel Unterstützung von der Gay-Community in seinem Bezirk und verstand er es zudem, verschiedene Interessensgruppen für sich zu gewinnen. 1977 gelang ihm dann endlich der Durchbruch: Er wurde in den Stadtrat gewählt.

Das Ende kam jedoch abrupt. Nicht einmal ein Jahr nach seiner Wahl wurde zunächst der damalige Bürgermeister George Moscone und dann Harvey Milk vom kurz zuvor zurückgetretenen Stadtratsmitglied Dan White im Rathaus in San Francisco erschossen.

Heute ehrt der U. S. Postal Service Milk mit den Worten: “Seine Errungenschaften gaben homosexuellen Menschen Hoffnung und Selbstbewusstsein in einer Zeit, in der sich die Community weit verbreiteter Ablehnung entgegengesetzt sah.” Milk ist für viele Menschen zur Ikone geworden und gilt als Pionier des Gay-Rights-Movements. Präsident Barack Obama verlieh ihm post mortem die Freiheitsmedaille (Medal of Freedom).

Das für die Forever Briefmarke verwendete Bild von Harvey Milk stammt vom Fotograf Daniel Nicoletta, der den aufsteigenden Politiker um das Jahr 1977 vor Milks Fotogeschäft auf der Castro Street aufnahm. An der oberen Ecke sind die Farben der Schwulen-Flagge zu sehen. Wer in den USA lebt, der kann die Briefmarke vorbestellen. Forever Briefmarken sind First Class Marken, die ihren aktuellen Wert für den Versand eines normales Briefes nie verlieren – unabhängig von der zukünftigen Preisentwicklung. Selbst in vielen Jahren noch kann die Marke genutzt werden, um einen regulären Brief innerhalb des Landes zu verschicken.

Menschenrechtler fordern mehr Unterstützung von Barack Obama

Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben sich zusammengetan und einen Brief an US-Präsident Barack Obama geschickt. Darin weisen sie auf die neusten Entwicklungen vor allem in Uganda und Nigeria hin und benennen in 14 Punkte, die dazu verhelfen sollen, die Situation zu bessern. Diskriminierung und Gewalt gegen LGBT-Mitglieder haben in den beiden afrikanischen Ländern stark zugenommen, seitdem die Präsidenten Gesetze unterzeichneten, die Homosexuelle und deren Unterstützer zu Kriminellen machen. Der Brief wurde auf 76crimes.com veröffentlicht, ein Blog, das über die Missstände in 76 Ländern weltweit berichtet. Missstände, die ihren Ursprung in Anti-Gay-Gesetzen haben.

„Wir wollen nicht erreichen, dass die Werte eines Landes einem anderen aufgedrängt werden“, heißt es in dem Schreiben. Der Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisationen möchte jedoch die Gesellschaft in Nigeria, Uganda und anderenorts unterstützen und gegen Diskriminierung gegen jegliche Gruppen angehen, LGBT eingeschlossen.

Die Schreiber begrüßen die bisherigen Maßnahmen der US-Administration. In ihren Augen reichen diese jedoch nicht aus. Schnellstmöglich, so fordern sie, müssen weitere Schritte unternommen werden – um Leben zu schützen und diskriminierende Gesetze nichtig zu machen. Um die folgenden 14 Punkte zu besprechen, wollen sie sich mit hohen Beamten der Regierung zusammensetzen.

  1. Keine Finanzierung von Diskriminierung durch US-Steuern
  2. Neue Bedingungen beim Planungsprozess für den President’s Emergency Plan for AIDS Relief 2014 (PEPFAR) einbinden
  3. Überprüfung aller Finanzierungsabmachungen zwischen dem US-Staat und Institutionen sowie Personen aus Nigeria und Uganda, die diskriminierende Gesetze unterstützt haben
  4. Überprüfung von US-Investitionen in Nigeria und Uganda
  5. Zusammenarbeit mit “The Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria”
  6. Voller US-diplomatischer Einsatz zur Bekämpfung von diskriminierenden Gesetzen
  7. Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten für Politiker und andere bedeutende Persönlichkeiten aus Nigeria und Uganda
  8. Bemühungen, Sicherheitsbeteuerungen für LGBT-Personen in Nigeria und Uganda zu erhalten
  9. Botschaften anweisen, in Zusammenarbeit mit den Botschaften anderer Länder, die Situation vor Ort zu überwachen und Maßnahmen zu treffen, sollte es notwendig sein
  10. Schutz und Unterstützung von Menschen, die durch die Gesetzgebung bedroht ist
  11. Direkte finanzielle und andere Unterstützung derjenigen, die LGBTI-Individuen beschützen
  12. Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union, den Vereinigten Nationen sowie der Europäischen Union
  13. Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten der Vereinigten Nationen und Anfechtung von Ugandas Rolle für die Vergabe des Präsidentensitzes bei der bevorstehenden Generalversammlung der Vereinigten Nationen
  14. Aktive Unterstützung bei der Bekämpfung der diskriminierenden Gesetze

Die Original-Liste und weiterführende Erklärungen können hier eingesehen werden.

Folgende Organisationen beteiligten sich an dem Schreiben:

  • African Services Committee
  • AIDS Foundation of Chicago AIDS
  • United American Jewish World Service
  • American Medical Students Association
  • amfAR, The Foundation for AIDS Research
  • Association of Nurses in AIDS Care
  • AVAC
  • Center for Health and Gender Equity (CHANGE)
  • Center for Innovation in Global Health at Stanford University
  • Charlize Theron Africa Outreach Project
  • Council for Global Equality
  • Fenway Institute
  • Futures Group
  • Gilead
  • The Global Forum on MSM & HIV (MSMGF)
  • Health GAP (Global Access Project)
  • HIV Medicine Association
  • HIV Prevention Justice Alliance
  • Housing Works
  • Human Rights Campaign
  • Infectious Diseases Society of America
  • Center for Global Health Policy
  • International Association of Providers of AIDS Care
  • International HIV/AIDS Alliance
  • USA International Rectal Microbicide Advocates
  • Kato Foundation
  • The National Alliance of State and Territorial AIDS Directors
  • New HIV Vaccine and Microbicide Advocacy Society
  • Pangaea Global AIDS Foundation
  • Treatment Action Group (TAG)
  • Us Helping Us, People Into Living

Der Brief ging auch an: Derzeitiger US-Außenminister John Kerry, Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius, Botschafterin Samantha Power, Leiterin des Office of Public Engagement and Intergovernmental Affairs Valerie Jarrett, Berater Denis McDonough und Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice

Hintergrund:

In Nigeria ist Homosexualität seit der Zeit britischer Kolonialisierung verboten, doch wurden Menschen deswegen nur selten verfolgt und bestraft. Das neue, Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesetz geht weiter:  Verbot der Homo-Ehe und bis zu 14 Jahren Gefängnisstrafe für Homosexuelle und deren Unterstützer; selbst die Beteiligung bei Menschenrechtsorganisationen fällt darunter.

Auszug aus dem Gesetz in Nigeria (Quelle: http://www.theGuardian.com):

“Any person who registers, operates or participates in gay clubs, societies and organisations or directly or indirectly makes public show of same-sex amorous relationship in Nigeria commits an offence and shall each be liable on conviction to a term of 10 years in prison.”

Auch Ugandas Präsident Yoweri Museveni verschärfte mit seiner Unterschrift auf einem Gesetzesentwurf, der bereits 2009 entstand, die Lage von Schwulen und Lesben drastisch. Homosexualität war zwar auch vor der neusten Entwicklung verboten, nun müssen LGBT-Mitglieder jedoch lebenslange Gefängnisstrafen fürchten. Der ursprüngliche Gesetzesentwurf sah für einige homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe vor. Dies wurde jedoch geändert, nachdem Groß Britannien und andere europäischen Staaten drohten, ihre Hilfsmittel zurückzuziehen. Uganda erhält laut CNN mehrere Millionen Dollar an internationaler Unterstützung.

Philadelphia eröffnet LGBT-Wohnkomplex für Finanzschwache

Eine Wohnanlage für ältere Schwule, Lesben, Bi-Sexuelle und Transgender mit niedrigem Einkommen hat in Philadelphia eröffnet. Das unter dem Namen “John C. Anderson Apartments” geführte Gebäude besteht aus 56 Zwei-Zimmer-Wohnungen und liegt im als “Gayborhood” bekannten Viertel in der Innenstadt Philadelphias. Älteren, finanzschwachen Menschen der LGBT-Community soll damit ermöglichen werden, in einer Umgebung zu leben, in der sie sich wohl fühlen. Die Wohnungen sind den Bedürfnissen von Senioren angepasst. Schon kurz nach Inbetriebnahme des Hauses besteht eine Warteliste.

Das Haus ist eins von drei seiner Art in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Projekt wurde von Mark Segal, einem bekannten Verfechter von LGBT-Rechten und Gründer der Philadelphia Gay News, geleitet und kostete etwa 19,5 Millionen Dollar. Philadelphias Bürgermeister war bei der Inauguration dabei. Gegenüber CBS Philly betonte er die Wichtigkeit dieses Projekts für die Stadt. Damit führe Philadelphia in Sachen Menschenrechten und LGBT Angelegenheiten.